18.02.2019 / Artikel / /

Alles auf Anhieb klar

Stadtrat und Stadtpräsident gewählt – Landverkauf genehmigt

Die bisherige Stadträtin Elsbeth Aepli Stettler (CVP) und die drei neuen Barbara Dätwyler Weber (SP), Fabrizio Hugentobler (FDP) und Andreas Elliker (SVP) bilden zusammen mit Stadtpräsident Anders Stokholm (FDP), der die Wiederwahl glanzvoll schaffte, die Exekutive ab 1. Juni 2019. Grünes Licht gaben die Stimmbürger für den Landverkauf im Kurzdorf an Twerenbold.

Relativ gross war die Überraschung im Sitzungszimmer Galerie im Rathaus, als die Ergebnisse der Stadtratswahlen präsentiert wurden. Denn gleich alle vier nebenamtlichen Stadtratsmandate wurden im ersten Wahlgang vergeben – was viele angesichts der Zahl von sieben Kandidierenden nicht für möglich gehalten hatten. Allerdings durfte wegen den Wähleranteilen gleichwohl eine gewisse Klarheit erwartet werden. Zwischen den vier gewählten Stadtratsmitgliedern gibts denn auch einen deutlichen – wenn auch kleinen – Abstand zu den drei Nichtgewählten.

Bestätigung
Mit ihrem grossartigen Wahlergebnis konnte Elsbeth Aepli Stettler (CVP) das Spitzenergebnis aus dem Jahr 2015 bestätigen, als sie ebenfalls die höchste Stimmenzahl aller Kandidierenden auf sich vereinen konnte. «Trotz allem war ich aber ziemlich nervös, denn man weiss ja nie, was alles passiert. Nun bin ich umso glücklicher», sagte sie nach Bekanntwerden der Ergebnisse. Auch Barbara Dätwyler Weber (SP) war die Freude ins Gesicht geschrieben – «ich bin ganz einfach glücklich über dieses Resultat», sagte sie – «das ist gross­artig». Andreas Elliker (SVP) strotzte ebenfalls vor Freude: «Das ist super. Ich werde mich voll und ganz für das Wohl unserer Stadt einsetzen.»

Überraschung
Als grosse Überraschung aus parteipolitischer Sicht ist zweifellos die klare Wahl von Fabrizio Hugentobler (FDP) zu werten. Trotz eines Wähleranteils von lediglich 17,9 Prozent (Gemeinderatswahlen 2015) konnte der Freisinn mit ihm ein zweites Stadtratsmandat holen. Dabei dürfte Hugentobler nicht zuletzt von seiner Bekanntheit als Feuerwehrkommandant und als Leiter des Amts für Freizeitanlagen und Sport profitiert haben. Hugentobler freute sich, schon im ersten Wahlgang so klar gewählt worden zu sein. «Ich werde beruflich in den kommenden Monaten nun alles neu organisieren, weil mit dieser Wahl ja auch die Amtsleitung bei der Stadtverwaltung kein Thema mehr ist.»

Enttäuschung
Bei den drei nichtgewählten Kandidaten – deren Stimmenzahlen nah beieinander liegen – herrschte eine gewisse Ernüchterung. Roland Wyss (EVP) hatte sich aber schnell gefangen: «Ich bleibe dran und komme wieder. Denn ich möchte mich gerne für unsere schöne Stadt stärker einsetzen.» Stefan Leuthold (glp) seinerseits war «schon ein wenig enttäuscht. Allerdings war das ein schöner Wahlkampf. Als Partei, die erstmals für den Stadtrat kandidiert hat, dürfen wir auf jeden Fall durchaus zufrieden sein.» Johannes Eiholzer (CH) schliesslich konnte eine seine Enttäuschung ebenfalls nicht verbergen. Er hatte sich insbesondere gewünscht, dass mit seiner Wahl die Jugend eine Stimme erhält.

Stokholm klar bestätigt
Weniger spektakulär war die Wahl des Stadtpräsidenten, der ohne Gegenkandidatur in seinem Amt bestätigt wurde – dies allerdings mit einem glanzvollen Ergebnis. Stokholm: «Ich bedanke mich herzlich bei allen Frauenfelderinnen und Frauenfeldern für dieses Zeichen des Vertrauens. Ich bin motiviert, mich weiterhin mit aller Kraft zum Wohl unserer schönen Stadt einzusetzen.» Das Stadtpräsidium (früher Stadtammannamt) in Frauenfeld ist bereits seit dem Jahr 1970 in den Händen des Freisinns.

Verschiebung
Mit der Wahl eines zweiten FDP-Vertreters in den Stadtrat und dem Ausscheiden von Chrampfe & Hirne verschiebt sich das politische Gewicht in der Stadtregierung nach rechts. Aus parteipolitischer Sicht knüpft dies an im Jahr 2005, als die linksgrün orientierte Gruppierung CH mit Urs Müller das freiwerdende Stadtratsmandat von Carlo Parolari (FDP) erringen konnte. Parolari trat damals die Nachfolge seines Parteikollegen Hans Bachofner als Stadtammann an und die FDP verzichtete auf die Nomination eines Nachfolgers für den Stadtrat.
Die Wahl vom Sonntag als «Rechtsrutsch» zu bezeichnen, scheint allerdings überrissen. Gleichwohl dürfte ab 1. Juni der eine oder andere Entscheid der Exekutive bei vier bürgerlichen Vertretungen – 2 FDP, 1 CVP, 1 SVP – und nur einer Vertretung aus dem linken Lager – SP – anders ausfallen, als es heute der Fall ist. Eine grundlegende Kursänderung bei der politischen Arbeit des Stadtrats ist allerdings nicht zu erwarten – ist die Stadt auf dem Weg in die Zukunft doch erfolgreich unterwegs.

Landverkauf
Mit 11 Prozent mehr Ja- als Nein-Stimmen wurde der Verkauf des Grundstücks in der Ecke Sonnenhof-/Schaffhauserstrasse an die Reiseunternehmung Twerenbold Service AG genehmigt. Stadtpräsident Anders Stokholm ist zufrieden mit dem Ergebnis, womit nun ein Projekt realisiert werden kann, das dem seit vielen Jahren geltenden Zonenplan entspricht. Der Stadtrat ist überzeugt, dass der Verkauf des Grundstücks eine gesunde Entwicklung von Frauenfeld in Form von Arbeitsplätzen und Wohnraum fördert. Zudem ist er ein positives Signal für andere Unternehmungen, die Kantonshauptstadt ebenfalls als künftigen Firmenstandort in Betracht zu ziehen.

Andreas Anderegg

Schwarzer Tag für CH
Unter dem Strich waren die Stadtratswahlen vom Sonntag vor allem für die linksgrün orientierte Gruppierung Chrampfe & Hirne ein «schwarzer Tag». Denn sie unterlag nicht nur mit dem Versuch, den Landverkauf der Stadt an die Firma Twerenbold zu verhindern, sondern konnte mit ihrem Kandidaten Johannes Eiholzer auch den freiwerdenden Sitz ihres Stadtrats Urs Müller nicht verteidigen. CH-Präsident Charles Landert war denn auch «masslos enttäuscht», wie er das Ergebnis kommentierte. (aa)

Wahl- und Abstimmungsergebnisse auf einen Blick

Stadtpräsident
Gültige Stimmen: 6204
Absolutes Mehr: 3103
Stimmbeteiligung: 44,01 %
Anders Stokholm, FDP (bisher): 5630 Stimmen

Mitglieder des Stadtrates
Gültige Stimmen: 27 748
Absolutes Mehr: 2960 Stimmen
Stimmbeteiligung: 45,02 %

Gewählt:
Elsbeth Aepli Stettler, CVP (bisher): 4924 Stimmen
Barbara Dätwyler Weber, SP (neu): 3502 Stimmen
Fabrizio Hugentobler, FDP (neu): 3310 Stimmen
Andreas Elliker, SVP (neu): 3127 Stimmen

Nicht gewählt:
Roland Wyss, EVP (neu): 2867 Stimmen
Stefan Leuthold, glp (neu): 2791 Stimmen
Johannes Eiholzer, CH (neu): 2763 Stimmen

Verkauf des Grundstücks Sonnenhof-/Schaffhauserstrasse
Gültige Stimmen: 7309
Ja: 4053
Nein: 3256
Stimmbeteiligung: 46,8 Prozent

Link: Frauenfelder Woche